4 Fragen an…Maria Bortfeldt

Im Museumssektor ist der Bereich der Foto-Restaurierung noch ein recht junges, momentan rasch wachsendes Berufs-Feld. Wie sind Sie an die Berlinische Galerie gelangt und welche Rolle spielen Sie in der sicher nicht gerade kleinen Abteilung der Restaurierung dort – nur Foto oder auch Grafik, Papier?  

Ich habe nach dem Studium in Berlin als freiberufliche Fotografie-Restauratorin gearbeitet und auch relativ bald zu Janos Frecot und Ulrich Domröse Kontakt aufgenommen, auch über die Fachgruppe Fotografie in Berlin. Damals hatte die Berlinische Galerie eine Zeit lang kein eigenes Museumsgebäude, sondern die Sammlung und die Mitarbeiter*innen hatten Quartier in einer Fabriketage bezogen. Ich durfte die Fritz Kühn-Ausstellung dort konservatorisch mit vorbereiten. Als die damalige Papierrestauratorin der Berlinischen Galerie eine Stelle in den USA angeboten bekam, hat sie mich ins Spiel gebracht und ich durfte irgendwann übernehmen. Seitdem bin ich als Restauratorin für den Fotografie- und Papierbereich zuständig. Wir haben neben der Fotografischen Sammlung eine Graphische Abteilung, eine Architektursammlung und Künstler*innenarchive sowie die Bibliothek. 

Ich habe das Glück, mit drei Kolleg*innen zusammenzuarbeiten, also mit Gemälderestaurator*innen und mit meiner Kollegin, die für die Rahmung und Passepartourierung zuständig ist. Es ist immer sehr viel Abwechslung an der Tagesordnung. Jede*r ist in seinem Bereich tätig. Bei mir ändert sich der Schwerpunkt immer wieder einmal, da ich meistens die nächste Ausstellung konservatorisch vorbereite. Das ist dann entweder nur im Fotografie Bereich, wie bei der Vorbereitung der Sibylle Bergemann-Ausstellung im letzten Sommer oder es sind unterschiedliche Materialgruppen und Gattungen, wie für unsere aktuelle Ausstellung „Magyar Modern“, eine Ausstellung über die ungarische Kunst der Moderne. In dieser Ausstellung ist ebenfalls viel Fotografie vertreten und zudem Zeichnungen, Collagen, Zeitschriften und Bücher.

Als Kunsthistoriker gewinne ich immer den Eindruck, dass sich die Anzahl und Art fotografischer Materialien in einem nahezu atemberaubend schnellen Tempo verändert. Und obwohl die jeweiligen Hersteller gewöhnlich eine Langlebigkeit ihrer neu entwickelten Materialien versprechen, bleibt eine gewisse Unsicherheit erhalten. Vor dem Hintergrund stellt sich die Frage nach der alltäglichen Praxis: wie erleben Sie das Verhältnis von konventionellen Tätigkeiten der Ausstellungs- und Sammlungsarbeit (z.B. Zustandsprotokolle, Rahmungen, Passepartourieren) einerseits und Material-Forschungen andererseits? Kann man im Museum beides überhaupt miteinander vereinbaren?

Ich habe das Glück, dass wir in der Berlinischen Galerie eine eigene Stelle für die Passepartourierung und Rahmung der Werke haben. Dies aus gutem Grund, denn es finden viele Ausstellungen statt. Besonders stark empfand ich das nach den ersten ein bis zwei Jahren der Pandemie, eine Art Rückstau. Wir haben in dieser Zeit eigentlich kaum etwas anderes getan als Kunstwerke für die Präsentation vorzubereiten. Ich sichte dabei den Zustand der Arbeiten, sorge für einen Überblick über sich ändernde Exponatenlisten und restauriere und konserviere die jeweiligen Werke. Meine Kollegin führt die Montage, Passepartourierung und Rahmung durch. Natürlich haben wir auch viel Leihverkehr, auch hier gab es einiges am Ende der Pandemie aufzuarbeiten.

Es gibt jedoch auch immer wieder ruhigere Phasen: So wird zum Beispiel unser Haus derzeit mit fest installierter LED-Beleuchtung ausgestattet (mobile LED-Lampen gibt es schon länger), so dass auf Grund der Baustelle der nächste Ausstellungswechsel nach hinten geschoben wurde. Es bleibt also immer mal wieder Zeit, sich mit Materialforschungen oder den Fragen der Haltbarkeit zu beschäftigen. Zum letztgenannten Thema stellen wir gerade Überlegungen an, ob und wie beispielsweise unser Kühlraum für Farbfotografie auch vor dem Hintergrund der aktuellen Energiespar-Debatten weiter so klimatisiert werden soll, dass unsere analogen C-Prints und frühen Inkjet Prints keinen Schaden nehmen. Zum Thema Beleuchtung und Lichtempfindlichkeit habe ich vor einiger Zeit an Collagen und Fotografien Micro Fading-Tests durchführen und mit Hilfe einer Fachfirma auswerten können. 

Es sind zwar keine umfassenden Forschungsprojekte möglich, sondern ich führe eher kürzere Untersuchungen durch, die dann aber auch direkt bei Werken aus unseren Sammlungen angewandt werden können. Darüber hinaus gibt es regelmäßig Fragestellungen zu Werken, die nur durch Untersuchungsmethoden geklärt werden können. Wenn Ergebnisse ganz konkret benötigt werden, ist die Motivation recht hoch und die Prüfungen auch oft in kürzerer Zeit möglich.

Gerade wenn auf Fachtagungen neuere Prüfmethoden vorgestellt werden, wie zum Beispiel  NIR-Untersuchungen zur Identifizierung von Cellulosenitrat- und Acetat-Negativen, und wir gleichzeitig diesen Bedarf auch im Haus haben, nehme ich mir dafür dann die Zeit. Wichtig ist auch der Bedarf an kunsttechnologischen Untersuchungen. Dies ist meist die Identifizierung von künstlerischen Techniken, die zu den Ausstellungsvorbereitungen mit dazu gehört und von mir zeitlich eingeplant wird. 

Sofern es möglich und notwendig ist Werke aufgrund ihrer Materialien zu datieren, gehört dies ebenfalls mit zu meinem Arbeitsfeld und liefert oft wichtige Hinweise. Dies erfolgt praktisch z.B. UV-Untersuchungen auf optische Aufheller. Gleiches gilt bei Fragen der Klärung von Echtheit bzw. der Zuschreibung. Denn die hier erforderlichen naturwissenschaftlichen Untersuchungen werden im Idealfall von den Museums-Restaurator*innen selbst betreut. Viele Aspekte können wir direkt beim Blick durch das Mikroskop klären und gewinnen zugleich einen Eindruck, welche alternative Prüfmethoden am sinnvollsten an externe Labore vergeben werden sollten. Denn wenn die Dinge rasch abgeklärt werden müssen, gibt es die Möglichkeit, dass Werke zusätzlich auch von freiberuflichen Restauratoren für Ausstellungen vorbereitet werden, so dass eine gewisse Flexibilität im Arbeitsablauf entsteht.

Ausnahmsweise habe ich gerade die Zeit, eine Bachelorarbeit zu betreuen. Die Zusammenarbeit mit Studierenden eröffnet die Möglichkeit, auch mal ganz neue Erkenntnisse zu bekommen und sich für neue Behandlungsmethoden und Blickwinkel zu begeistern.

Jüngst haben wir erfahren, dass tatsächlich ein deutsches Foto-Institut gegründet werden soll und dass Fragen der Materialforschung und Konservierung dort eine große Bedeutung erlangen könnten. Was würden Sie sich von einem solchen Institut genau wünschen?

An ein Deutsches Foto-Institut mit einer Abteilung für Materialforschung hätte ich eine ganze Reihe Wünsche. Wenn man hier all das professionalisieren könnte, was sonst im Museumsalltag mit wenigen Geräten erledigt oder an externe Labore vergeben wird, wäre das ein ganz erheblicher Fortschritt. Denn gerade im Hinblick auf die materialtechnische Fragen stossen wir in der Praxis des Museums immer wieder schnell auf Grenzen der Machbarkeit. 

Also behilft man sich, versucht die Dinge einfacher zu lösen und vergibt hin und wieder Aufträge an unterschiedliche Labore. Die Vorstellung, dass dies exemplarisch oder sogar auch an Werken aus der eigenen Sammlung systematischer gemacht werden kann, bietet ganz neue Perspektiven. 

Der Gedanke an eine Art deutsches „Image Permanence Institute“ wäre sicher zu hoch gegriffen. Aber über die Möglichkeit, dass beschleunigte Alterungs-Tests und Arrhenius-Berechnungen sowie Röntgenfluoreszenz- und Ramanuntersuchungen an Fotografie sollte man doch zumindest nachdenken. Auch Analysen zu Schadstoffen und Microfading-Tests. Es sind dies Untersuchungen, für die man aufwändige Geräte benötigt und Wissenschaftler*innen, welche die Geräte einsetzen und Untersuchungen auswerten können. Wenn all dies direkt für die Fotografie zur Verfügung stehen könnte, wären wir einen großen Schritt weiter.

Ich behaupte einmal, dass wir alle, die wir im Museums- oder Ausstellungssektor tätig sind, immer auch (!) von einer Euphorie für das Sichtbare getragen werden. Haben Sie so etwas wie Lieblingswerke oder bevorzugte künstlerische Positionen – und wenn ja: verraten Sie uns, welche das sind?

Ich bin schon recht geprägt durch die Ausstellungen, die wir im eigenen Haus vorbereiten, vielleicht auch weil man mit den Werken viel Zeit teilt und ich als Restauratorin das Glück habe, dass ich diese im Original ansehen kann, ungerahmt, ohne Verglasung. 

Mit bestem Dank an

Maria Bortfeldt

…ist Restauratorin für Fotografie und Papier an der Berlinischen Galerie

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