4 Fragen an…Heidi Specker

Du hast im vergangenen Jahr ein sehr besonderes Foto-Buch zur Komischen Oper Berlin publiziert. Die letzte größere Einzelausstellung Deines Werkes habe ich 2018 in Bonn gesehen. Ausstellungen und Bücher sind, behaupte ich mal, zwei Paar Schuhe: welche Rolle spielen sie jeweils für Dich? Fühlst Du Dich in irgendeiner Form wohler als in der anderen?  

Wohlfühlen. Wohler fühlen. Welche Schuhe habe ich vor Augen. Das Material wären dann die Füße und das eine Paar Bilder im Raum, das andere das Fotobuch. Und der Film wäre dann noch ein Paar Schuhe. Ich bin da eher ein Schmetterling und setze mich auf Blüten.

Du bist nicht nur selbst Künstlerin, sondern unterrichtest auch seit 2011 an der HGB in Leipzig. Wie würdest Du Deine Erfahrung als Lehrende seitdem beschreiben: was hat sich an den Bedingungen und auch seitens der Studierenden in den letzten Jahren verändert?

Das lässt sich nicht leicht zusammenfassen. Zu kompliziert ist alles geworden. Jedenfalls ist die Akademie komplexer geworden, wir gehen mit Herausforderungen um, die es vorher nicht gab. Mit Studierenden der Bildenden Kunst ist das nochmal ein eigener Prozess: Wie finden wir in die Arbeit und was finden wir darin?

Die Foto-Szene scheint seit dem vergangenen Jahr durch eine neue „Bedrohung“ namens KI verunsichert. Wie siehst Du als Künstlerin die Lage: bist Du nervös deswegen, siehst Du dunkle Zeiten auf die Gesellschaft zukommen, siehst Du die vermeintlich neuen technischen Möglichkeiten als Chance oder lässt Dich das Ganze weitgehend kalt?

Ich sollte nervöser sein. Da stecken wir ja mitten drin in einer dunklen Zeit und KI als eine weitere Zutat in der Suppe… kalt lässt es mich nicht, ich befürchte eher, mich innerlich davon abzugrenzen. Gestern hat mich ein Bekannter gefragt, wie er die Welt noch aushalten soll, wie er sie loswerden kann.

Du nimmst sicherlich von Deinem Standort Berlin die Szene – und zwar nicht nur die Foto-Szene – genau wahr: was war die letzte künstlerische Position, die Dich so richtig begeistert, um nicht zu sagen: umgehauen hat? 

Jos de Gruyter & Harald Thys bei Galerie Isabella Bortzolozzi. Da sind wir auch wieder bei deiner ersten Frage. Ein sehr schöner Katalog von 2017 lag aus. Jos de Gruyter & Harald Thys, Verkaufskatalog, 30 Jahre Kunst (Kunstverein München). Die Ausstellung „PASTA FATAL“ hat mich zumindest so verstört, dass ich noch ein zweites Mal hingegangen bin, um mich zu vergewissern, zu beruhigen.

Mit herzlichem Dank an…

Heidi Specker

…ist Künstlerin in Berlin und Professorin in Leipzig

BU: Alina Schmuch: Porträt Heidi Specker

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