Die Sache mit den Exhibition Copies – How to deal with it?

In keiner anderen Materialität sind Ausstellungskopien von Kunstwerken so einfach herzustellen wie in der Fotografie. Doch befähigt uns diese Tatsache, das auch zu tun? Wann kommen Ausstellungskopien ins Spiel und warum?

Eigentlich könnte man meinen, dass die Herstellung von Ausstellungskopien dann in Frage kommen, wenn man das Original nicht besitzt und man die Fotografie dennoch in einer Ausstellung zeigen möchte. In diesem Fall wird der Künstler*in bzw. die Nachlassverwaltende nach einer autorisierten Ausstellungskopie angefragt. Diese muss nach Gebrauch an den Eigentümer zurück gesendet oder am Ausstellungsort unter Fotobeweis zerstört werden. So befremdlich dieses Prozedere auch anmuten mag, dient es jedoch dazu, nicht die Auflage der Bilder künstlich zu erhöhen und somit jedes einzelne Original wiederum zu entwerten. Gerät solch eine Exhibition Copy in den Umlauf, ist diese nur noch sehr schwer von den eigentlichen Originalen zu unterscheiden.

Im konservatorischen, musealen Kontext hat sich die Exhibition Copy inzwischen jedoch anderweitig etabliert. Oftmals kommt sie ins Spiel, wenn die allzu strengen Präsentationsvorgaben aus der Restaurierung nicht eingehalten werden wollen oder können. Bei Vorgaben von nur drei Monaten Ausstellungsdauer innerhalb mehrerer Jahre bei äußerst geringer Beleuchtungsintensität scheint dies nachvollziehbar. Deswegen wird die Ausstellungskopie als Kompromiss von allen Beteiligten begrüßt. Zudem ist noch ein anderer Aspekt nicht zu vernachlässigen: Exhibition Copies reduzieren das Arbeitsaufkommen in einem Museum erheblich, besonders in einer auf längere Zeitdauer angelegten Sammlungspräsentation. So entfällt der Austausch der gezeigten, originalen Fotografien in dreimonatigen Abständen, was ansonsten für Institutionen mit äußerst knappen personellen Ressourcen ein enorm aufwendiges Unterfangen ist. Außerdem kann ein und dieselbe Kopie in diesem Fall über die gesamte Präsentationsdauer gezeigt werden. 

Doch ist es wirklich das, was wir wollen? Dieser Logik folgend würde „originale Materialität“ im Museum sodann nur noch in Wechselausstellungen zu sehen sein. Aus Sicht einer Restauratorin und somit einer Verfechterin der Materialität wäre dies bedauernswert, denn jedes Werk hat neben der „bildlichen Ebene“ auch noch eine „materielle“, die es zu vermitteln gilt. Ein Vintage-Abzug aus den 1920er Jahren hat eine besondere Anmutung und Ästhetik, geradezu Patina, die vor allem auf die Materialität seiner genuinen Zeit und auf das gewachsene Alter der Fotografie zurückzuführen ist. Umso paradoxer erscheint es, dass zum Schutz eben diese Materials Modern Prints bzw. Exhibition Copies ins Spiel kommen müssen.

Hinzu kommt die Schwierigkeit der Differenzierung, denn Ausstellungskopie ist nicht gleich Ausstellungskopie. Wird zum Beispiel direkt beim Werkankauf ein zweiter Satz vom Künstler*in autorisierter Ausstellungskopien mit erworben, wird dieser in die Sammlung aufgenommen und inventarisiert. Doch was passiert, wenn der Satz Ausstellungskopien derartig verbraucht ist, dass er nicht mehr zeigenswert ist? Ein ohnehin bestehendes Problem wird derart zeitlich um einen Satz zusätzlicher Werke nach hinten verlagert. Aus diesen Gründen sollte mit den „Ausstellungskopien“ in einer Sammlung konservatorisch ähnlich restriktiv umgegangen werden wie mit den Originalen. Von der oben erläuterten Ausstellungskopie unterscheiden sich diese Fotografien allerdings deutlich, entstehen sie doch zumeist zeitgleich zum Original und entsprechen damit der originalen, fotografischen Materialität. Daraus folgend sollten diese Werke eher als „Zweitversion“ einer Arbeit bezeichnet werden. 

Exhibition Copy ist demnach nicht gleich Exhibition Copy und manche sind vielleicht sogar Zweitversionen. Ein genaues Hinschauen lohnt sich. Wie damit im Einzelnen umzugehen ist, kann nur jedes Haus für sich entscheiden. 

Kristina Blaschke-Walther

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

 

BU: Stephen Shore, Ginger Shore, Flagler Street, Miami, Florida, November 12, 1977 (1999), Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover; Satz „a“ (Archivexemplare) und „b“ (Ausstellungsexemplare) in der Sammlung vorhanden; hier gezeigt NSKS 6046/99-40b

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

95 − = 86