Die DGPh zu Gast in Hannover – Zum „Bildeingriff“ aus jedweder Perspektive

Am 23. März 2023 traf sich die Sektion Geschichte und Archive der DGPh mit etwa 30 Teilnehmenden zu einem MeetUp im Sprengel Museum Hannover, auf dem das Jahresthema der Sektion, der „Bildeingriff“, aus verschiedensten Perspektiven beleuchtet wurde. Hier ein kurzer Review.

Zunächst begrüßte der Sektionsvorstand mit Lucia Halder, Jessica Morhard, Peter Konarzewski und Miriam Zlobinski und stellte sich in Kürze vor. Anschließend sprachen Jessica Morhard und Peter Konarzewski über den „Bildeingriff“ aus restauratorischer Sicht, der Materialveränderungen, Restaurierungsmaßnahmen und die Sichtbarmachung derselben inkludiere. Daraufhin hielt Winfried Gerling, Professor für Konzeption und Ästhetik der Neuen Medien an der FH Potsdam, einen Vortrag zum Thema “Automatiserte Eingriffe. Wie Algorithmen im Bild operieren”. Er machte deutlich, dass heute bei jeder digitalen Bilderzeugung, z.B. mittels eines iPhones, unsäglich viele „Bildeingriffe“ im Hintergrund ablaufen, die den Nutzenden nur selten bewusst sind. So träfe eine Künstliche Intelligenz, die Gerling lieber als „automatisierte Entscheidungssysteme“ benannt sähe, unzählige Entscheidungen anstatt des Nutzenden selbst. Ein Beispiel dafür ist das Fokussieren auf Bestandteile des Gesichtes im Porträtmodus vieler Smartphone-Kameras oder das Begradigen bestimmter bewusst „schief“ aufgenommener Fotografien. Problematisch zu sehen ist dabei, dass Funktionen von Software so z.T. lediglich für entsprechende Bildtypen (wie Porträts) nutzbar sind und auf andere Bildtypen (wie z.B. Landschaftsaufnahmen) gar nicht erst angewendet werden können.

Im darauffolgenden Block des „Inputs aus der Sektion“ stellte Hanns-Peter Frentz u.a. Retuschen an historischer Negativen von Pressefotografien zur Diskussion, die nicht selten die inhaltliche Aussage des Bildes deutlich verändert haben, indem z.B. unliebsam gewordene Personen aus den Bildern herausretuschiert wurden. Oliver Mark hingegen zeigte bei seinen eigenen Arbeiten, dass hier ein Bildeingriff an seinen Fotografien als künstlerische Intervention wiederum durch andere Künstler*innen durchaus erwünscht ist und derart eine neue künstlerische Arbeit mehrerer Autor*innen entstehen kann. Lucia Halder verwies daraufhin an einem Beispiel ebenfalls auf einen Bildeingriff als künstlerische Intervention hin. Sie bzog sich auf eine Intervention von Kiri Dalena an historischen ethnologischen Fotografien, die durch Überzeichnungen mit Tusche eine neue künstlerische, eher sozialkritische Aussage erhielten.

Der Nachmittag wurde mit einer Führung durch die Ausstellung „Gottfried Jäger: Fotografien der Fotografie – Generative Systeme 1960 bis 2020“ fortgesetzt, in welcher Stefan Gronert, Kurator der Ausstellung, zusammen mit Gottfried Jäger spannende Einblicke in die Konzeption der Ausstellung und die Werke selbst gewährten. Beschlossen wurde der Nachmittag durch einen Besuch der Fotorestaurierungswerkstatt und der Fotodepots des Sprengel Museum Hannover. Hier ermöglichten Franziska Leidig und Kristina Blaschke-Walther einen Einblick in ihre Arbeit. Dabei wurde der „Bildeingriff“ in Form von Montierungstechniken thematisiert und der Umgang mit Exhibition Copies angesprochen. Am Rande der Veranstaltung und während der Pausen gab es genügend Raum für den kollegialen und interdisziplinären Austausch, der von allen Teilnehmenden nach der langen Corona-Durststrecke als sehr bereichernd empfunden wurde.

Kristina Blaschke-Walther

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

BU: Ausstellungsführung durch „Gottfried Jäger: Fotografien der Fotografie – Generative Systeme 1960 bis 2020“ (Foto: K.Blaschke-Walther)

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