Im Innern – Ein Förderpreis für Fotografie in Nussdorf

Fotopreise gibt es eine Menge – im engeren Feld der bildenden Kunst bleibt ihre Zahl freilich überschaubar. Manch ein Preis ist aber vielleicht nicht allen bekannt, deswegen lohnt das genaue Hinschauen. So wurde z.B. in Eberdingen-Nussdorf im Jahre 2009 ein Förderpreis für künstlerische Fotografie ins Leben gerufen, der soeben bereits zum sechsten Mal vergeben wurde.

Nussdorf? Man hüte sich vorschnell die Nase zu rümpfen. Das idyllisch gelegene Dorf liegt etwa 35 Kilometer nordwestlich von Stuttgart. Initiator dort ist die Alison und Peter W. Klein Stiftung, die ein Museum, das „Kunstwerk“, ihr Eigen nennt. Ein architektonisch durchaus ansehnliches, nicht gerade kleines Haus, das ein süddeutsche Unternehmerehepaars 2007 eröffnet hat. Der zuletzt im dreijährigen Rhythmus vergebene Fotografie-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, umfaßt zudem eine Ausstellung aller nominierten Positionen mit Katalog und mündet bisweilen auch in einen Ankauf des Stifter-Paares. 

Und mit Annette Kelm, Sascha Weidner, Adrian Sauer, Bernhard Fuchs, Tobias Zielony, Andrea Grützner säumen durchaus bekannte Namen den Weg dieser vorbildlichen privaten Initiative. Sie manifestiert sich aktuell in einer Ausstellung auf drei Geschossebenen, die noch bis 24. März 2024 in dem putzigen schwäbischen Ort zu sehen ist, in dem sich scheinbar alle mit dem Museum identifizieren. 

Die aktuelle Präsentation des Preises umfaßt zwölf, von einer vierköpfigen Jury nominierte Positionen – als da wären namentlich: Jessica Backhaus, Lia Darjes, Alina Frieske, Jette Held, Alwin Lay, Sara-Lena Maierhofer, Monika Orpik, Moritz Partenheimer, Helena Petersen, Martina Sauter, Berit Schneidereit, Kathrin Sonntag. Sie alle firmieren diesmal unter dem weit gefaßten Begriff „Im Innern“, den man naturgemäß vielfältig interpretieren kann. Und genau das tun die zwölf in Deutschland beheimateten Fotograf*innen auch. Die von Valeria Weibel exzellent kuratierte Ausstellung offenbart ein wahrlich reiches Bild der aktuellen Foto-Produktion auf vergleichsweise hohem qualitativen Niveau. Dass zur Eröffnung mit Alina Frieske (*1994) und Kathrin Sonntag (*1981) gleich zwei Gewinnerinnen des diesjährigen Preises benannt wurden, tut den zehn anderen Positionen keinen Abbruch. Der Abstecher von der schwäbischen Metropole aufs idyllische Land ist zweifellos eine Reise wehrt, denn erneut zeigt sich in den nicht selten installativen, oft auch raumbezogenen Bildern der Vorrang des Originals vor der Reproduktion.     

Abb: Martina Sauter (links), Sara-Lena Maierhofer (rechts)

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