Es werde Licht: Hinterleuchtete Fotografien

Sind in einer Ausstellung hinterleuchtete Fotografien zu sehen, wie momentan in der Ausstellung TRUE PICTURES? des Sprengel Museums mit vier Arbeiten prominent vertreten, wird allein bei der Installation derartiger Werke deutlich, wie komplex diese Materialkombinationen tatsächlich sind.

Allen gemein ist der bildgebende, fotografische Träger, meist ein chromogener Farbabzug auf Polyesterfolie, ähnlich einem überdimensionalen Farbdiapositiv. Ab einer gewissen Größe der Arbeit müssen hier sogar zwei Transparente miteinander verbunden werden, um überhaupt ein überformatiges Werk produzieren zu können, da das farbfotografische Material durch seine Rollenbreite und die Produktion in der Entwicklungsmaschine im Format begrenzt ist.

Dieses oft auf einen Metallrahmen gespannte Transparent wird vorder- und rückseitig durch eine Plexiglasscheibe stabilisiert, welche aus dem ebenfalls transparenten Kunststoff Polymethylmethacrylat (PMMA) besteht. Eine andere Möglichkeit liegt auch darin, den transparenten Bildträger direkt flächig auf eine Plexiglasscheibe zu kaschieren.

Um diese Werke leuchten zu lassen, muss diese Materialkombination in einen Leuchtkasten montiert werden. Dabei können in der Elektrik des Leuchtkastens sowohl Leuchtstoffröhren als auch LED-Technik verbaut sein. Vom Künstler*in wird dabei die Lichtfarbe genau bestimmt, so dass die Werke auch in der Farbwiedergabe en detail der Intention des*r Fotograf*in entsprechen. Leiht man derartige Werke von Leihgebern ausserhalb Europas muss zudem beachtet werden, dass die elektrische Spannung angepasst oder gar Stecker ausgetauscht werden müssen, um die Fotografien zu hinterleuchten.

Doch wie bringt man nun zum Beispiel einen überformatigen Leuchtkasten im Format 2,3 x 2,0 m an die Wand, der allein schon durch sein Gesamtgewicht von etwa 240kg eine wahre Herausforderung für die Traglast jeder Wand ist?

Das Geheimnis ist hier eine Art „Einzelteilbausatz“, so dass alle Komponenten der Arbeit erst am Ausstellungsort zusammenmontiert werden müssen, was gut mindestens eineinhalb Arbeitstage in Anspruch nehmen kann. So wird ein derartiges Werk in mehreren, vergleichsweise leichteren Transportkisten angeliefert, die den Kastenaufbau mit Elektrik, das Transparent mit Acrylglas, die Seitenblenden und Leuchtstoffröhren des Leuchtkastens umfassen. Im Unterschied dazu können kleinere Leuchtkästen in einem Stück transportiert werden und „nur“ die Leuchtstoffröhren müssen vor Ort eingesetzt werden. Dementsprechend werden die Einzelteile des überdimensionalen „Bausatzes“ Stück für Stück direkt an der Wand zusammengesetzt. Ohne eine Begleitung der Montage durch einen Kurier, der sich mit der Zusammensetzung und dem Handling einer solchen Preziose bestens auskennt, scheint eine Präsentation solcher Werke im Rahmen einer Ausleihe kaum möglich.

Und dann wäre da noch die Frage, nach der Haltbarkeit bzw. Farbstabilität der Transparente bei einer Belichtungseinwirkung, die jeder*m Restaurator*in die Tränen in die Augen treibt. Als integraler Werkbestandteil gehört die starke Hinterleuchtung hier jedoch zur Natur des Werkes und es muss akzeptiert werden, dass Neuproduktionen bzw. ein Reprinting der Transparente von Zeit zu Zeit unerlässlich sind. Zu Recht kann man sich fragen, ob man es an dieser Stelle dann ähnlich einer Diaprojektion nicht eher mit Medienkunst zu tun hat?

Eines ist jedoch unbestritten, derartige Werke sind einfach großartig! Sie strahlen ihre ganz eigene Ästhetik aus und die Transparente leuchten auf ihre ganz besondere Weise, und umso mehr, wenn man weiss, wie aufwendig deren Installation tatsächlich ist.

Kristina Blaschke-Walther und Franziska Leidig 

…sind Restauratorinnen für Fotografie am Sprengel Museum Hannover.

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