Jan Groover: Die Wiederentdeckung des amerikanischen Stilllebens

Das Stillleben ist eigentlich jene Gattung, welche die Fotografie am bequemsten von der Malerei übernehmen konnte: Sie ist die Ruhe selbst und muss nichts still stellen, was nicht schon vor der Kamera selbst bewegungslos ist. Vielleicht zählte sie in der Entwicklung des neuen alten Mediums aber auch gerade deshalb nie zu den wirklichen Favoriten, bot sie doch nur wenig Raum für eigene Innovationen.

Man kann nur darüber spekulieren, ob diese medialen Umstände wirklich entscheidend für die doch recht schwierige Rezeption der amerikanischen Fotografin Jan Groover (1943-2012) waren, die zwar 1987 die Ehre einer Einzelausstellung im damals noch ehrwürdigen (Foto-)Tempel des New Yorker Museum of Modern Art ereilte, in Europa aber – mit Ausnahme von Frankreich – nahezu unbekannt blieb. Vielleicht waren es aber auch eher genderspezifische Gründe, die zur Marginalisierung einer Künstlerin im Kontext der männlich besetzten Foto-Geschichte führte. Wie auch immer: Groovers Ausstellungsverzeichnis weist zwar 1979 eine Einzelausstellung in der legendären Kölner Galerie von Ann und Jürgen Wilde aus. Doch blieb dies folgenlos bis sie posthum 2015 erstmals bei Klemm’s in Berlin wieder in Erscheinung treten konnte und nun in der Bremer GAK ihre erste institutionelle Ausstellung in Deutschland erhalten hat. Erfreulich und bedauerlich zugleich, denn eigentlich handelt es sich um eine wirklich museale Ausstellung, die leider auch nicht von einem Katalog begleitet ist, was besonders fatal erscheint, da die Literatur zu Groover ohnehin vergleichsweise dünn gesät ist.

Aber man sollte nicht zu viel jammern, sondern die Ausstellung an sich genießen: Sie erlaubt die Entdeckung einer bedeutenden amerikanischen Fotografin, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Neben erstaunlichen Körperbildern sind es in erster Linie die Stillleben, mit den Groover geradewegs brilliert. Sie entstehen vor allem in den siebziger Jahren – lang noch bevor in Deutschland seit den neunziger Jahren eine Art Renaissance dieser stillen Bildform u.a. durch Christopher Muller, Claus Goedicke und Jörg Sasse einsetzt und zuletzt durch Annette Kelm und Ricarda Roggan noch einmal einen erheblichen Aufschwung erhielt. Groovers Brillanz resultiert aus den starken Abstraktionen, die aufgrund einer Kombination von Ausschnitthaftigkeit und Vergrößerung der gezeigten Alltagsobjekte den Blick auf eine unglaubliche Leuchtkraft und Farbigkeit lenkt. Das sind Licht-Bilder, wie man sie selten zu sehen bekommt und die eigentlich in keiner Foto-Geschichte fehlen dürfen.