Zum Himmel hoch, da schaut die Kunst. Eine Gruppenausstellung in Frankfurt

Der Himmel scheint in zu sein. Denn nachdem Kathrin Schönegg uns im vergangenen Jahr bereits mit ihrer geradezu spektakulären Wolken-Ausstellung, korrekt: Songs of the Sky. Photography & the Cloud, bei C/O Berlin aus historischer wie auch zeitgenössischer, sprich: digitaler Perspektive eine Begegnung mit dem Überirdischen eröffnet hat, legt nun die DZ Bank-Kunststiftung mit ihrer Ausstellung „Himmel. Die Entdeckung der Weltordnung“ nach.

Von der ebenso konsequent wie seriös arbeitenden Frankfurter Foto-Institution sind wir gewohnt, dass sie ihre eigene Sammlung bei Präsentationen stark einbezieht: Man zeigt, was man hat. Und das ist auch diesmal so. Sämtliche Arbeiten der insgesamt 20 ausgestellten Künstler*innen sind Bestandteil der Sammlung der DZ Bank-Kunststiftung. Das ist beeindruckend. Besonders bemerkenswert ist ein hier erstmals gezeigter Neuankauf der Filmskulptur „Send me Sky, Henrietta“ (2018) von Rosa Barba, den man ohne Übertreibung als spektakulär bezeichnen darf. Daneben gibt es einige wenige erwartbare (Ruff, Knoebel, Neusüss), aber auch überraschende Positionen (u.a. Cottrell, Dubovska, Evers, Petersen). Gerade im Blick auf die Letztgenannten offenbart das Team um Christina Leber erneut seine präzise Kenntnis der zeitgenössischen Szene, die sich in der Sammlung dauerhaft niederschlägt. Auch in dieser Hinsicht bestätigt die Schau die besondere Stellung der Institution in Deutschland.

Das mag abstrakt klingen, sorgt jedoch – unabhängig von dem Thema der aktuellen Gruppenausstellung – bisweilen auch für große visuelle Freude. Neben der erwähnten Rosa Barba vielleicht herausragend ist die 2016 entstandene Film-Arbeit „Set“ von Peter Miller, der Hunderte im Internet gefundene Fotos zum Thema der Abendröte zu einem fast 10-minütigen Film-Loop collagiert hat. Dabei wird, wie Katrin Thomschke in der unprätentiösen begleitenden Publikation die ebenfalls neu erworbene Arbeit erläutert, der romantischen Blick auf das Motiv des Sonnenuntergangs allein schon durch die überfordernde Geschwindigkeit des Bildwechsels radikal unterwandert. Am Rande: Warum Miller über seine Einzelausstellung bei C/O Berlin (schon wieder!) im Jahre 2021 kaum Beachtung erfahren hat, bleibt eine offene Frage.

Aber zurück zum Thema dieser Ausstellung, das in den voranstehenden Charakterisierungen vielleicht noch nicht klargeworden ist. Dazu trägt vielleicht auch der Untertitel in Verbindung mit dem gewählten Key Image von BKH Gutman bei, dass den Titel „The Wish“ (1991/2012) bei. Es suggeriert eine klare politische Ausrichtung der Ausstellung. Dem widersprechen allerdings diverse ungegenständliche Bilder (Hefti, Petersen, Holzhäuser), die sich dieser Idee überhaupt nicht fügen wollen. Eine solche gesellschaftspolitische Relevanz steht aber tatsächlich seit längerem im Fokus der Arbeit der Kunststiftung. Und genau deshalb sind die in der Publikation gemachten Differenzierungen von Christina Leber auch wichtig, wenn sie den Himmel als thematisches Zentrum wie folgt erläutert: „Und das im Hinblick auf religiöse Vorstellungen des Himmels als göttliche Weltordnung als auch auf die Himmelskörper Sonne, Mond und Sterne, also unser Sonnensystem. In einem dritten Aspekt werden wir uns mit dem analytischen Blick und dem Künstler als Forschendem beschäftigen. Wir möchten fragen, ob die Suche nach Antworten über das Universum uns den Himmel nähergebracht hat und welche Konsequenzen für die Erde und uns Menschen daraus erwachsen.“ (5)

Es sei einmal dahingestellt, ob Kunst solche großen Fragen überhaupt beantworten kann oder ob sie nicht vielmehr als Katalysator für neue Fragen dient. Aber vielleicht muss man auch diese Frage nicht unbedingt beantworten. Eindrucksvoll bleiben einzelne Werke und auch eine alles andere als einförmige Zusammenstellung einer vielfältigen Sammlung zu einer inspirierenden Ausstellung – a must see!

Stefan Gronert

…ist Kurator für Fotografie und Medienkunst am Sprengel Museum Hannover

BU: BKH Gutman, The Wish, 1991/2012

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