Wohin nur mit der Kunst? – Vom stetig wachsenden Platzbedarf in Museen

Als Institution mit dem Sammlungsschwerpunkt zeitgenössische Kunst ist eines klar: Stetig ergänzen unzählige Werke die Sammlung, so dass der Bedarf an Lagerkapazitäten geradezu exponentiell wächst.

Ein nahe liegendes Beispiel dafür ist der Umstand, dass erst 2016 mit dem Erweiterungsbau des Sprengel Museum Hannover neue Depots und somit Lagerkapazitäten eingeweiht wurden. Diese sind inzwischen jedoch wieder gut gefüllt. Die Institution kann sich glücklich schätzen, dass mit dem Neubau des Sammlungszentrums der Landeshauptstadt Hannover, in dem alle städtischen Kultureinrichtungen entweder zum Teil oder auch in Gänze untergebracht werden, aktuell erneut Depots mit umfangreichen Kapazitäten im Bau sind. 

Doch kann dies ewig so weitergehen? Ist die Lösung für rapide wachsenden Raumbedarf ein neues Depot? Die „graue Energie“, welche die Energiemenge für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes bezeichnet, ist bei Depotneubauten immens hoch und kommt der Energiebilanz im Unterhalt eines energetisch desaströsen Museums für mehrere Dekaden gleich. Dies ist unabhängig davon, welche Betriebskosten später für solch ein Gebäude anfallen.

Sollte daher nicht auch in Hinsicht auf Sammlungszuwächse nachhaltiger gedacht werden und wirklich nur noch das ins Haus kommen, was den Einsatz wertvoller Energie-Ressourcen auch über Jahre hinweg langfristigst rechtfertigt? Oder wäre gar ein radikales Umdenken vonnöten, dass das „Entsammeln“ zur Debatte stellt?  Eigentlich ein absolutes „No Go“, widerspricht es doch den Grundwerten der musealen Arbeit und den vom Museumsbund artikulierten Standards. 

Einen anderer Ansatz verfolgt Prof. Dr. Stefan Simon vom Rathgen-Forschungslabor: Er schlägt vor, Werke  nach umfänglichen Wertermittlungen zu priorisieren. Keine Frage, dass sich der Wert eines Werks nicht allein an seinem Versicherungswert bemisst, sondern Erhaltungszustand, Materialität, Authentizität und Platz- sowie Unterhaltsbedarf mit berücksichtig werden müssen.

Doch zurück zum Depotneubau! Das Sprengel Museum ist trotz der oben angeführten, nicht zu vernachlässigenden Überlegungen dankbar, derartige Lagerkapazitäten auf neuestem technischen Stand nutzen zu dürfen. Darüber hinaus zeigt das neue Sammlungszentrum, das vielen Expert*innen des Fachbereichs Kultur der Landeshauptstadt Hannover Raum zum direkten Austausch bietet, dass Kultur in der niedersächsischen Landeshauptstadt einen hohen Stellenwert hat und Kunst- und Kulturgut bestmöglich und auf höchstem Niveau zu bewahren ist.

Wir freuen uns bereits jetzt auf den Einzug in 2025!

Kristina Blaschke-Walther

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

 

BU: Kristina Blaschke-Walther

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