DER Pionier des deutschen Ausstellungs-Wesens: Ein neuer Band zum Schaffen von Klaus Honnef

Wer an einer Helden-Erzählung der deutschen Foto-Kuratoren interessiert ist, der wird den Beginn seiner Geschichte mit der Beschreibung seiner Aktivitäten machen müssen: Klaus Honnef ist ein Ausstellungsmacher und Museumskurator, der nicht nur an den entscheidenden Stellen der Documenta 5 (1972) und 6 (1977) beteiligt war, sondern der als Leiter der Abteilung für Wechselausstellungen am Rheinischen Landesmuseum in Bonn von 1974 bis 1999 auch als erster deutscher Kurator regelmäßig (!) künstlerische Fotografie (und mehr) präsentierte.

Unter dem Titel „Klaus Honnef. Von der Konzeptkunst zur Fotografie“ ist, herausgegeben vom ZADIK (Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung e.V.) soeben in der schönen Reihe „Sediment. Materialien und Forschungen zur Geschichte des Kunstmarkts“ ein Band zu seinem Schaffen veröffentlicht worden. Im April wurde es auf der Art Cologne, begleitet von einer kleinen Ausstellung, erstmals vorgestellt. Der Grund dafür ist ein doppelter, denn zum einen hat Honnef hat dem ZADIK unlängst sein Archiv übergeben und darüber hinaus artikuliert sich in dieser Publikation eine Hommage an einen nimmer müden Autoren und Kurator, der im Oktober seinen 80. Geburtstag feiert. In ihr erscheint wie er auch leibhaftig ist: Ein Enthusiast, der nicht nur für wegweisende Ausstellungen und Texte zur Fotografie, sondern auch für allgemeine Kunst seit den ausgehenden sechziger Jahren verantwortlich zeichnet.

Als Macher hatte Honnef zweifellos das Glück zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein und die richtigen Leute getroffen zu haben. Aber er war und ist ein Verrückter im positiven Sinne, der unlängst noch das Erscheinen einer umfassenden Monografie zum Werk von Gerhard Richter angekündigt hat. Dabei ist Honnef stets ein Team-Player gewesen. Selbst wenn die Geschichte des neueren Kunst- und Ausstellungswesens nach wie vor vorwiegend männlich geschrieben wird und wir auch auf dieser Ebene auf Gleichberechtigung wohl leider noch etwas warten müssen, ist es erfreulich und sicher auch angemessen, dass die inhaltlichen Verdienste seiner Ehefrau und auch konzeptionellen Begleiterin Gabriele Honnef-Harling an mehreren Stellen dieser Publikation immer wieder betont werden.

Bei einer etwas kritischeren Perspektive wird man von dem Buch als einem vielteiligen Kompendium sprechen müssen, das diverse Aspekte zusammenfasst. Kaum eine Karriere verläuft ohne Umwege, die da ja sann doch oft keine sind. Allgemein erfährt der Kenner durch die Lektüre der 242 Seiten nicht wirklich viel Neues, allenfalls einige Details. Viele Fakten kennt man spätesten aus dem 2009 in Köln erschienenen Interview-Bändchen, das Wilhelm Schürmann herausgegeben hat. Letzterer ist eine ähnlich wichtige historische Gestalt, der als Fotograf, Sammler und Mitbegründer der Galerie Lichttropfen 1973 in Aachen, seines Zeichens die zweite deutsche Foto-Galerie bekannt wurde (wenn man die kurzzeitig existierende und insofern gern unterschlagene Hannoveraner Galerie Clarissa einbezieht: die dritte).

Bereichernd ist das neue Kompendium aber nicht zuletzt durch den Umstand, dass es einige unbekannte Dokumente, Schriftwechsel mit Fotograf*innen, Sammlern, Kuratoren bereitstellt, die schöne Eindrücke aus lebendigen Zeiten vermitteln. So ist nicht nur für Einsteiger eine sehr lesenswerte Text- und Interviewsammlung entstanden, die neben deskriptiven Beiträgen von Günter Herzog und Philipp Fernandes do Brito auch Gespräche mit Schürmann sowie mit Ann und Jürgen Wilde, der Künstlerin und ehemaligen Partnerin Honnefs Rune Mields, dem Künstler Lawrence Weiner und der Kuratorin Sylvia Böhmer enthält.

Eine ähnliche Sammlung von Dokumenten und Erzählungen würde man sich über Ute Eskildsen wünschen, die von 1979 bis 2012 die Geschicke der fotografischen Sammlung des Folkwang Museums leitete und ebenso einflussreiche Arbeit leistete.

 

Klaus Honnef. Von der Konzeptkunst zur Fotografie, hrsg. vom ZADIK, Heidelberg 2019

Oder zum freien Download unter: https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/sediment/issue/view/4403/827

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