Vom Verblassen der Farbstoffe – Wie gehen wir mit C-Prints und ihrer Farbigkeit um?

Um es gleich vorweg zu nehmen, auf die gestellte Frage wird sich in diesem Blogbeitrag kaum eine finale Antwort finden lassen – haben sich doch kluge Köpfe zu dieser Thematik schon mehrfach dieselben zerbrochen. Aber dennoch ist die Thematik für jede Sammlung, die C-Prints im Bestand hat, hochrelevant. Was machen wir, um Himmels Willen, wenn sich die Farbigkeit von Werken derart verändert hat, dass sie schlicht und einfach nicht mehr präsentabel sind?

Hier stellt sich zunächst die Frage, wer bestimmt, wann dieser Punkt erreicht ist? So lange die Künstler*innen dies noch selbst sagen können, liegt es im Rahmen des Urheberrechts nach wie vor beim Künstler*in selbst. So kann dieser zu Lebzeiten ein Werk neu printen, wenn die Farbigkeit nicht mehr dem ursprünglich Angestrebtem entspricht. Ob ein neu geprintetes Werk tatsächlich noch einem ursprünglichen Abzug entspricht ist angesichts der rasant fortschreitenden technischen Möglichkeiten die nächste Frage. Doch was passiert später? Entscheiden dann Kuratoren*innen oder Restaurator*innen darüber? Und würde dieser Alterungsprozess aus restaurierungs-ethischer Sicht streng genommen nicht auch als Patina zum Werk selbst gehören? Bei einem durch Lichteinfluss verfärbten Holz würde auch niemand auf die Idee kommen, solch ein Objekt nicht mehr zu präsentieren. Müssen wir demzufolge nicht eher etwas an unserer Wahrnehmung solcher Werke ändern?

Dass C-Prints keinesfalls stabil sind, ist weitreichend bekannt. Selbst in der Dunkel- und Kaltlagerung werden sich die Farbstoffe im Laufe der Zeit unaufhörlich verändern, wie Henry Wilhelm bereits in den 80er Jahren nachgewiesen hat. Hier ist Cyan normalerweise der am wenigsten stabile Farbstoff. Noch wesentlich gravierender sind Degradationsprozesse unter Lichteinfluss, weswegen C-Prints lediglich bei maximal 50 Lux gezeigt werden sollten und dies auch nur etwa 12 Wochen innerhalb von vier Jahren. Hier sind in der Regel hingegen Magenta und Gelb die am wenigsten stabilen Farbstoffe. Angesichts dieser unvermeidbaren Veränderungen von C-Prints kann man sich fragen, inwiefern eine Dokumentation der originalen Farbigkeit eines Prints genauso wichtig wäre, wie der Erhalt des Werkes selbst? Dies würde bedeuten, dass man von jedem Print farbspektrometrische Messungen oder fotografische Aufnahmen nach definierten Farbstandards machen müsste, wenn es ins Haus kommt, um die originale Farbigkeit genauestens zu dokumentieren. Im Arbeitsalltag bleibt dafür meist wenig Zeit, auch wenn dies eigentlich Standard sein sollte.

Eine weitere Problemstellung ergibt sich bei „Mixed Media-Präsentationen“. Hier ist die Fotografie im Gegensatz zu Gemälden oder Skulptur, die bei 200 Lux präsentiert werden können, meist der stark limitierende Faktor. Gerade bei Sammlungspräsentationen mit längerer Laufzeit kann dies schwierig werden. Ist hier die Konsequenz auf Exhibition Copies zurückzugreifen, wie auch anhand der Abbildung dieses Blogbeitrags deutlich wird, denn sie zeigt eine Exhibition Copy einer Arbeit von Thomas Ruff, die nun vier Jahre in einer Sammlungspräsentation des Sprengel Museum Hannover gezeigt wird. Und die “eigentlichen” Werke werden im Depot verwahrt, um sie zu schützen. Aber was passiert, wenn der Künstler*in keine Exhibition Copies mehr zur Verfügung stellen kann?

Perspektivisch wird uns nichts anderes übrig bleiben, als uns damit abzufinden: Die Farbigkeit von C-Prints ist mehr als endlich! Auch wenn wir alles dafür tun, diesen Prozess zu verlangsamen, so gehört er doch zum Charakter der wunderbaren Werke dazu.

Kristina Blaschke-Walther

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

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