4 Fragen an…Susanna Kirschnick

Dein Betrieb, gOlab, definiert sich als „Labor für analoge C-Prints“. Das klingt im digitalen Zeitalter sympathisch konservativ, doch stelle ich mir vor, dass Du im Vergleich zu den „Riesen“ wie Recom ART, Grieger oder WhiteWall ganz schön zu kämpfen hast. Wie definierst Du vor diesem Hintergrund grob die Position und die Zukunft Deines Labors?

Wie schön, dass dieser Blog heute am 20.Mai erscheint, denn gerade gestern am 19.Mai ist gOlab – das Labor für analoge C-Prints in Berlin 23 Jahre alt geworden. Somit freue ich mich sehr über deine Einladung mit den „4 Fragen“ hier in diesem Blog. 

gOlab ist zu aller erst eine Farbdunkelkammer mit Vergrößerern, einer Farbentwicklungsmaschine mit RA-4 Prozess und einem großen Hellraum. Also wenn man so sagen möchte „ein Fotolabor im klassischen Sinne“. Was es aber von anderen sogenannten Fachlaboren im Wesentlichen unterscheidet, ist, dass es mit seinem „Werkstattcharakter“ Ideen, Fragestellungen, Visionen rund um das Medium Fotografie beleuchtet und hinterfragt und dadurch neue Stilrichtungen entstehen. Die Fotograf*innen / Künstler*innen, die sich einerseits als Gäste einmieten, aber auch Teil der Laborgemeinschaft sind, sind im aktiven Austausch und Diskurs miteinander. Wir probieren vieles aus und „entwickeln“ Abzüge oder Serien gemeinsam. Der Begriff „Lab“ steht daher im gOlab auch für den Diskurs und geht über den reinen, handwerklichen Herstellungsprozess des Vergrößerns hinaus. 

Es ist ein „Hub“ vor allem auch für junge Fotograf*innen, denn gerade die sind es, die das gOlab mit „neue Visionen“ und „neuen Ansätzen“ bereichern. Die Jüngeren sind es dann auch, die die etablierten Kunden von Morgen werden, somit ist es eine generationsübergreifende win-win Situation. Der Kundenstamm wächst stetig, wir wachsen gemeinsam und dadurch bleibt es lebendig und frisch. Mein „fotografisches Wissen“ erweitert sich permanent. Das wiederum ist auch wichtig um für zeitgenössische Produktionen „neue Fragestellungen“ mit in die konzeptionelle Umsetzung aktueller und klassischer Fotopositionen einzubeziehen.

Im gOlab werden Hand-Prints für Modeproduktionen und Ausstellungs-Prints für den Kunstmarkt entweder von Künstler*innen / Fotograf*innen selber vergrößert oder durch mich oder meine Assistentinnen ausgeführt. Neben meiner langjährigen Print-Erfahrung ist sicherlich auch mein fotografischer Background, der sich aus meiner eigenen angewandten und künstlerischen Arbeit, aber natürlich auch durch meine langjährigen Studien der Fotografie am Columbia College in Chicago, wo ich in allen neuen und alten Print-Techniken ausgebildet wurde und im Weiteren durch mein Studium der Fine Art Fotografie an der Glasgow School of Art in Schottland, wo ich künstlerisch und konzeptionell gebildet wurde, geprägt. Ich bin also keine klassische Foto-Laborantin, sondern kann zusätzlich aus einem großen Erfahrungsschatz der Fotografie, der Kunstgeschichte und dem handwerklichem Know-how schöpfen.

Die im gOlab ansässige Laborgemeinschaft besteht aus 15 Mitgliedern, die selbstständig ihre C-Prints herstellen und nicht selten aber auch für mich zu Auftraggebern werden. Ebenso gibt es „Mischkooperationen“ mit gOdigital – Lab for finest digital printproductions fenzl & Kirschnick gbr. Das gOdigital ist die digitale Schwester vom analogen gOlab, in dem ich, zusammen mit meiner Geschäftspartnerin, der Fotografin Christine Fenzl, Archival Pigment Prints und High-end-Trommelscans für den gehobenen Kunstmarkt herstelle. Wir sind somit breit aufgestellt. Unsere Expertise reicht über den „klassischen Fotoabzug“ hinaus.  

Das gOlab stand meiner Meinung nach nie mit den „Riesen“, wie du es in deiner Frage genannt hast, in irgendeiner Konkurrenz. Die Kunden vom gOlab und dem gOdigital haben andere Bedürfnisse und Fragestellungen in der Umsetzung ihrer Arbeiten. Für die Zukunft sehe ich das gOlab weiterhin auf Erfolgskurs. Die analoge Fotografie hat sich nochmal anders von der digitalen Fotografie emanzipiert, hat den Wiedereinzug in die Angewandte Fotografie gefunden und ist vor allem bei der jüngeren Generation wieder sehr angesagt. 

C-Prints sind bekanntlich ein durchaus fragiles Material. Machst Du Deinen Kund*innen Vorschläge zum konservatorischen Umgang und zur Lagerung ihrer Prints? Oder interessiert das eher Wenige?

Tatsächlich steht das bei Modeproduktionen nicht an erster Stelle, weil von dem Handabzug wiederum ein Scan hergestellt wird und der C-Print Ausgangspunkt für weitere Post-Produktionsschritte ist. Ausnahmen bestätigen hier die Regel, denn es gibt auch Fotograf*innen, die für Ihr Archiv auch diese Abzüge nach dem chemischen Entwicklungsprozess mit destilliertem Wasser behandeln, um die Restchemie zu entfernen. 

Wenn wir analoge Ausstellungs-Prints herstellen, vergrößern wir immer die gesamte Edition. Da diese Hand-Prints auch in Sammlungen oder Museen landen, ist hier das Thema Archivfestigkeit und Lagerung sehr wichtig. Wie oben bereits beschrieben, machen wir den manuellen Waschgang nach dem chemischen Entwicklungsprozess mit destilliertem Wasser und waschen so lange, bis das Wasser keine Chemie mehr aufweist. Danach werden die C-Prints dann mit reinen Pigmenten, destilliertem Wasser und Pinsel retuschiert. Sicherlich wird auch oft unterschätzt, wie wichtig es ist Handschuhe bei dem Handling der Prints zu tragen. 

In puncto weiterer Lagerung der Editions-Prints dann im Studio oder Atelier weisen wir gerne auf die Standards wie Temperatur und konstanter Luftfeuchtigkeit hin und natürlich, dass die Prints besser flach und vor allem säurefrei gelagert werden sollten. 

In den neunziger Jahren gab es einen Trend zu Großformaten. Ich habe das Gefühl, dass sich dies erledigt hat oder wie erlebst Du es: ist die Format-Frage der Mode entwachsen, also alles möglich oder beobachtest Du aktuell neue Vorlieben bei der Herstellung „zeitgemässer“ Prints? 

Das kann ich mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Der Trend zum Groß-Print ist sicherlich eher nicht mehr so aktuell, zumindest im Kunstkontext. Das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr groß printen, aber die Größe und ihre Wirkung und was das Motiv machen soll, wird viel stärker hinterfragt. 

In den neunziger Jahren hatte die Fotografie noch das Bedürfnis sich im musealen Kontext zu beweisen. Sie wollte sich mit großformatigen Malereien ebenbürtig zeigen und hier mit ihrer technischen Reproduzierbarkeit auftrumpfen. Im analogen und digitalen Printbereich beobachte ich seit ein paar Jahren den Ansatz jedes Motiv einzeln zu betrachten – dieses im Übrigen auch im seriellen Kontext. Dementsprechend ist es nun eher Praxis die jeweils eigene Größe für das Motiv zu finden. Nicht zuletzt haben wir es Künstlern wie Wolfgang Tillmanns zu verdanken, dass klassische Präsentationsformen und Print-Größen neu definiert wurden. 

Mein letzte Frage ist für Dich sicher nicht einfach zu beantworten, da Du ja nicht Deine Klientel verprellen darfst, aber dennoch: Gibt es so etwas wie eine Lieblingsposition, jemand mit dem/der Du am liebsten arbeitest?

Hahaha, sehr gut. Nein, das hat gar nichts mit verprellen zu tun, aber ich muss gestehen, es sind wirklich sehr viele, wirklich tolle Künstler*innen / Fotograf*innen die mit uns zusammenarbeiten. Von daher kann ich das in der Hinsicht wirklich nicht beantworten, bzw. würde das hier das Format absolut sprengen. 

Wir haben nie inseriert, das heißt man muss uns finden, das hat sehr viele Vorteile, weil wir von Künstlern zu Künstler*innen, Kurator*innen, Institutionen und Galerien empfohlen werden. Dadurch siebt es sich schon wirklich sehr gut aus und das Niveau ist durchgängig sehr hoch. Ich sage immer „Ich bin ja keine Kopiermaschiene“, ich bin am echten Diskurs interessiert, ansonsten brauche ich mich mit meinem Wissen ja nicht einzubringen.

Mit besten Dank an…

Susanne Kirschnick

…ist Inhaberin von gOlab, Berlin

BU: Porträt Susanne Kirschnick (privat)

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