Weiß, weißer, am weißesten: Optische Aufheller in Fotopapieren, Fluch oder Segen?

Heutzutage sind optische Aufheller in fast jeglichem fotografischen Trägermaterial allgegenwärtig, ohne dass dies und die damit einhergehenden Probleme den meisten Nutzer*innen überhaupt bewusst sind. Doch was sind eigentlich optische Aufheller und warum braucht es so etwas überhaupt?

Optische Aufheller, englischsprachig „Optical Brightening Agents“ (OBAs) genannt, sind chemische Verbindungen, die Papiere weißer erscheinen lassen, als sie eigentlich sind. Durch gewisse Anteile des Lichts, wie z.B. UV- oder Blauanteile, werden diese Substanzen im fotografischen Trägermaterial angeregt, so dass die Papiere heller erscheinen. Bestimmte Weißgrade bzw. Helligkeitswerte lassen sich ohne optische Aufheller faktisch nicht erreichen bzw. nur mit einem anderweitig sehr großen Aufwand in der Herstellung. Deswegen werden diese Stoffe fotografischen Trägermaterialien in der Herstellung meist in nicht unerheblichen Mengen zugesetzt. Schon seit etwa Mitte der 1950er Jahre ist mit solchen Substanzen in fotografischen Trägermaterialien zu rechnen, wobei die UV-Fluoreszenz dieser „Weißmacher“ oftmals auch als Datierungshilfe dienen kann.

Aus konservatorischer Sicht können diese „Weißmacher“ allerdings einige Probleme mit sich bringen. Worin bestehen diese aber genau? Zuerst einmal sind OBAs nicht sehr beständig; sie unterliegen einem eher zügigen Alterungsprozess. Manche Substanzen können – quasi in umgekehrter Weise zum ursprünglich erwünschten Effekt – sogar zum Vergilben fotografischer Träger führen. Diese Stoffe sind nicht fest gebunden in den Fotomaterialien, was bedeutet, dass sie bei direktem Kontakt in andere Materialien auswandern können. Umso wichtiger erscheint es daher, dass für die Langzeitaufbewahrung von Fotografien nur solche Materialien verwendet werden, die ihrerseits keine OBAs enthalten. Und in diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass viele Hersteller ihre Materialien nicht entsprechend deklarieren und man meist direkt nach diesen Substanzen fragen muss. Gerade was die Alterungsbeständigkeit betrifft, sind sie in so mancher DIN-Norm nicht inkludiert.

Das größte Problem für uns Verfechter*innen des Langzeiterhalts liegt allerdings an ganz anderer Stelle: OBAs verbrauchen sich im Laufe der Zeit. Mit jeder Ausstellung, jeder Werkpräsentation, jeder Belichtung verbrauchen wir irreversibel einen gewissen Anteil an optischen Aufhellern. Die vorliegende Abbildung dieses Beitrags zeigt dies. Derart reduzieren wir gewissermaßen die ursprünglich vom Künstler*in intendierte strahlend weiße Werkästhetik, was an sich bereits ein gewisses Paradoxon darstellt. Dieser Verbrauch ist bereits nach einer einzigen Ausstellung messbar. 

Die in Institutionen praktizierte Beleuchtungsintensität von maximal 50 lux soll also vor allem dazu beitragen, möglichst wenig dieser optischen Aufheller zu verbrauchen und Fotografien langfristig zu erhalten. Allerdings kann man sich fragen, ob somit noch die vom Künstler*in intendierte Werkanmutung zu Stande kommt, denn wenig Licht bedeutet letztendlich wenig Fluoreszenz und somit eine andere Wirkung des Werkes. Das hinlänglich bekannte Paradox! Und daher sind Künstler*innen oftmals enttäuscht über die reduzierten, aber konservatorisch gut begründeten Beleuchtungsbedingungen ihrer Werke im Ausstellungskontext. 

Sind diese Substanzen denn nun aber Fluch oder Segen? Aus konservatorischer Sicht sind OBAs sicherlich nicht unproblematisch, gehören jedoch gleichberechtigt genauso zum Werk wie alle anderen Werkbestandteile. Umso wichtiger ist es, dass sich vor allem die Kunstschaffenden bewusst sind, was genau der Einsatz solcher mit OBAs versetzten Materialien mit sich bringt. Am Ende lässt es sich mit den 50 lux bei Werkpräsentationen vielleicht auch aufgrund diesen Wissens leichter leben. 

Kristina Blaschke-Walther

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

ABB: UV-Fluoreszenz an einer Fotografie von Bernd und Hilla Becher, die den Ausschnitt des Passepartouts auch ohne dieses unter UV-Licht visualisiert: Im Passepartoutausschnitt der Fotografie sind bereits weniger optischer Aufheller vorhanden als in den durch das Passepartout abgedeckten Bereichen (Foto: K.Blaschke-Walther)

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