4 Fragen an…Kerstin Stremmel

Du kannst auf eine vielgestaltige Ausstellungs-Praxis zurückblicken. Wenn man Dich allgemein fragt: Was interessiert Dich überhaupt am Medium Fotografie – was antwortest Du (vielleicht auch mit der Betonung auf „Lieblings-Projekte“)?

Allgemein: Die Welthaltigkeit.

Im Hinblick auf die Projekte: Idealerweise passen sie an den Ort, an dem sie gezeigt werden. Bei unserem gemeinsamen Projekt “True Pictures?” hat es Spaß gemacht, die Ausstellung für Salzburg anzupassen und durch einige neue Leihgaben und Werke aus der Sammlung des Hauses zu ergänzen.

Seit letztem Jahr bist von Köln aus zur Kuratorin für Fotografie am Museum der Moderne nach Salzburg gewechselt – ein prominenter Ort für die mitteleuropäische Foto-Szene. Was hat Dich dort erwartet oder anders gefragt: Wie charakterisierst Du im Hinblick auf die Sammlung und das Ausstellungsprogramm Deine Aufgaben dort?

Ein wichtiger Aspekt ist die Auseinandersetzung mit der Sammlung, in dem Zusammenhang freue ich mich besonders auf eine Inge-Morath-Ausstellung im kommenden Jahr, die durch eine Sammlungserweiterung bereichert wird. Der passgenaue Ausbau der Sammlung, etwa im Hinblick auf das bemerkenswerte Konvolut japanischer Fotografie, und Ausstellungen mit ortsbezogenen thematischen Schwerpunkten wie zur Theaterfotografie, sind wichtig. Ein Privileg sind die unterschiedlichen Räume im Rupertinum und auf dem Mönchsberg, für die sich je unterschiedliche Präsentationsweisen und Formate anbieten.

Neben Salzburg sind es in Österreich vor allem die Orte Graz, Linz und Wien, die seit vielen Jahrzehnten in internationaler Perspektive von großer Bedeutung sind. Wie siehst Du die spezielle Situation von Salzburg in dieser foto-affinen Konstellation?

Kollegial und auf Austausch bedacht! Camera Austria etwa wird im Spätherbst in Graz zeitgleich mit uns ein Günther-Selichar-Double feature machen, sowohl die Ausstellungen als auch die Publikationen ergänzen sich. Was für ein Glück es ist, vor Ort die wunderbaren Kolleginnen vom Fotohof zu haben, versteht sich ohnehin. Dank Mozarteum und Prof. Matthias Weiß von der Paris Lodron Universität gibt es weiteren interessanten Austausch vor Ort.

Welche künstlerischen Positionen hast Du zuletzt für Dich entdeckt und warum?

Unter anderem habe ich einige Wiederentdeckungen gemacht, beispielsweise Asako Narahashi, deren Serie “half awake and half asleep in the water” ein Gefühl von Bodenlosigkeit vermittelt und auf reale Bedrohung durch menschgemachte Katastrophen hinweist. Dann, immer wieder, Linn Schröder, deren Publikation “Ich denke auch Familienbilder großartig ist: Gerne würde ich eine Ausstellung zum Thema Künstlerinnen und Mütter machen, das könnte schön kontrovers werden. Durch Photonews und einen Ankauf, den das Museum der Moderne Salzburg als Dauerleihgabe des Bundes bekommt, habe ich von Marko Zink die Serie “Als die Tiere den Wald verließen kennengelernt, in der das Thema Umweltzerstörung scharfsinnig und mit Humor in der sogenannten Natur inszeniert wird.

Mit bestem Dank an…

Kerstin Stremmel

…ist Kuratorin für Fotografie am Museum der Moderne, Salzburg

 

BU: Porträt-Foto von Bozica Babic

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