Neu montieren in Serie – Die Bearbeitung von Lewis Baltz „Candlestick Point“

Der letzte Beitrag in der Rubrik „Materialität“ beschäftigte sich bereits mit einer entscheidenden Frage und zeigt die Problematik der konservatorischen Betreuung des Seriellen auf. Wartende Arbeiten im Depot gibt es tatsächlich reichlich, umso höher schlägt das Restaurator*innen-Herz, wenn es möglich wird, sich einer gesamten Werkreihe anzunehmen und sie sukzessiv und in aller Gänze versorgen zu können – einen langen Atem und Geduld vorausgesetzt. 

Die 84-teilige Serie „Candlestick Point“ von Lewis Baltz ist eine in vielerlei Hinsicht interessante Reihe. Bestehend aus 72 Silbergelatineabzügen und 12 chromogenen Farbabzügen, kombiniert sie zwei fotografische Verfahren, die durchaus unterschiedliche Anforderungen an die konservatorische Betreuung stellen. Die chromogenen Farbabzüge liegen als stark lichtgeschädigte Originale und Ausstellungskopien vor, deren Neuproduktion in enger Absprache mit dem Künstler noch zu dessen Lebzeiten beschlossen wurde und die beim Ankauf der Serie im Jahr 2020 durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung als Dauerleihgabe mit in die Sammlung des Sprengel Museum Hannover übernommen wurden. Alle Werke waren bereits montiert und gerahmt. Das klingt erst einmal gut und durchdacht. Aber…

Wieder treffen wir auf optische Aufheller und selbstklebende Materialien – unliebsame Bekannte mit denen wir uns viel zu oft in einen Wettlauf gegen die Zeit begeben. Montiert mit sehr knappen, selbstklebenden Fotoecken, die sich teilweise bereits abgelöst hatten und dem Unterlagekarton satt an optischen Aufhellern, stand außer Frage, dass ein neues Montierungskonzept nötig sein würde, um die Werkreihe langfristig konservatorisch sicher zu lagern und auszustellen. Zumal sich die Abzüge bereits zum Glas hin stark wölbten. Während der Erarbeitung des Konzepts stellten sich unteranderem zwei ganz entscheidende Fragen: findet sich eventuell eine gut umsetzbare, klebstofffreie Montierungsvariante, die die Werke ästhetisch nicht beeinträchtigt und falls nicht, welche Klebstoffe werden verwendet, um sowohl die Barytpapiere der Silbergelatineabzüge als auch die PE-Papiere der chromogenen Farbabzüge sicher und möglichst beständig zu montieren? 

Erste Versuche die Abzüge mit durchgezogenen Melinex®-Streifen über die Ecken oder senkrecht verlaufend zu montieren, waren optisch nicht zufriedenstellend. Ebenso verhielt es sich mit farblich abgestimmten Japanpapier. Die ästhetische Beeinträchtigung wog schwerer, als die klebstofffreie Lösung dem positiv gegenüberstand. Letztendlich fiel die Wahl auf drei schmal angeklebte Japanpapierstreifen pro Abzug (zwei oben, einer unten), die durch einen entsprechend geschlitzten Träger aus Fotoarchivkarton gezogen und unter leichter Spannung punktuell auf der Rückseite verklebt werden. Der Abzug behält dadurch eine gewisse „Beweglichkeit“ und liegt fast schwebend im Rahmen. Die ästhetisch wertvollste Lösung. Für die Verklebung auf Barytpapier wird hier mit Methylcellulose (15%ig) gearbeitet, bei den PE-Papieren wird ein frischer, sehr dick angesetzter Kleister (25%ig) verwendet werden. Erste Versuche an einem Muster zeigten gute Ergebnisse, die vor Montierung der Originale nochmals evaluiert werden. Ein längerer Weg steht bevor, der zeitliche Aufwand ist bei einer 84-teiligen Serie natürlich immens und die Arbeit an den Werken neben dem laufenden Museumsbetrieb nicht immer fest ein planbar. Ob die nächsten 16 Monate bis Ende des Volontariats tatsächlich für die Gesamtumsetzung reichen werden?  Allemal ist es ein klarer Gewinn für die Werkreihe und letztendlich die ganze Sammlung. Es geht voran.

Franziska Leidig

…ist Restauratorin für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

BU: Ein Silbergelatineabzug der 84-teiligen Serie „Candlestick Point“ von Lewis Baltz, ist innerhalb des Rahmens abgesackt, nachdem sich die Verklebung der unteren, selbstklebenden Fotoecken gelöst hat (Foto: K. Blaschke-Walther).

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