Wollen Restaurator*innen tatsächlich alles und jeden Werkbestandteil für die Ewigkeit erhalten? Dies war eine unter vielen Fragen, die sich auf dem Symposium „Papier ist (un)geduldig“, einem interdisziplinären Symposium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart am 2. und 3. Februar, stellte. Teilnehmende waren Künstler*innen, Kunstwissenschaftler*innen sowie Papierrestaurator*innen aus den ortsansässigen Studiengängen selbst und ihre Studierenden sowie externe Vertreter*innen von Sammlungen, Kunstschaffende und ein Papiermacher.
Den Eröffnungsvortrag am Abend des 2.2. hielt Jeffrey Warda, der Senior Paper and Photographs Conservator des Guggenheim Museums New York. In seinem einstündigen Beitrag wurde deutlich, mit welchen Herausforderungen Restaurator*innen institutioneller Sammlungen konfrontiert sind, um Kunstwerke im Sinne der Kunstschaffenden zu erhalten. Dass der Erhalt von Kunstwerken immer einen gewissen Aufwand, der je nach Kunstwerk mehr oder weniger groß sein kann, mit sich bringt, ist dabei nicht verwunderlich. Doch muss wirklich jeder einzelne und kleinste Werkbestandteil mit immensem Aufwand erhalten werden? Und wer gibt in der zeitgenössischen Kunst vor, was genau erhaltenswert ist?
Kurator*innen, die letztendlich entscheiden, was Eingang in eine Sammlung findet, und Restaurator*innen besprechen bestenfalls gemeinsam mit den Kunstschaffenden, was Künstler*innen an ihren Kunstwerken besonders wichtig ist und die „work defining properties“ ihrer Arbeiten ausmacht. Letztendlich gilt es diese zu erhalten und die damit verbundene essentiellen werkimmanenten Werkbestandteile und ihre Materialität. Immer mehr rücken dabei auch Aspekte der Nachhaltigkeit in den Vordergrund.
Ein weiterer Aspekt ist durch den Umstand definiert, dass öffentliche Sammlungen größtenteils durch öffentliche Gelder finanziert werden. Die Werte, die in ihnen verwahrt werden, kommen Wertanlagen der Eigentümer*innen gleich. Das Bewahren dieser ist eine Kernaufgabe von Museen und öffentlichen Sammlungen und bringt eine große Verantwortung mit sich, die im legitimierten Fall auch aufwendig sein darf. Glücklicherweise bestimmen nicht Restaurator*innen, wann es sich um einen solchen „legitimierten Fall“ handelt, denn unsere Berufsethik gibt vor, dass alle Werke nach gleichen Maßstäben zu behandeln sind, denn heute ist noch nicht absehbar, was im Verlaufe der Zeit für die betreffende Sammlung besonders wichtig oder wertvoll sein wird.
Der interdisziplinäre Austausch ist sehr wichtig und wurde durch das Symposium einmal mehr ermöglicht. So verdeutlichte es die Zielsetzungen der jeweiligen Stakeholder, welche häufig nicht kongruent sein können. In diesem Gesprächsraum konnten diese, wenn auch zum Teil kontrovers, diskutiert werden, so dass letztendlich alle Teilnehmenden einander besser verstehen konnten.
Kristina Blaschke-Walther
…ist Fotorestauratorin und Leitung Restaurierung am Sprengel Museum Hannover.
BU: Heinrich Riebesehl „Thema: Schulpolitik (Studenten der Fachhochschule Hannover), aus der Serie „Halbzeit (Niedersächsische Landespolitik 1970/1972)“, Silbergelatineabzug, 18,9 x 15,9 cm, Sammlung Sprengel Museum Hannover, ©Herling/Herling/Werner