Fotosammlungen sind in vielen Institutionen zu finden. Doch in welchem Zustand sind sie und nach welchen Kriterien wird dieser bewertet?
Eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltig angelegte Zustandserfassung einer Sammlung ist, dass diese entsprechend inventarisiert und erschlossen ist. Bestenfalls in einer Datenbank, denn nur so lassen sich Technikangaben zum Objekt selbst, die verwendeten Materialien und der Erhaltungszustand festhalten. Doch wann ist der Zustand eines fotografischen Objektes aus konservatorischer Sicht als bedenklich einzuschätzen? Als problematischer bewertet und prioritär zu behandeln sollten Schadensphänomene immer dann sein, wenn sie im Laufe der Zeit weiter fortschreiten. Handelt es sich zum Beispiel um eine Fehlstelle oder einen Riss wird sich dieser im Laufe der Zeit, sofern das Objekt nicht bewegt wird, nicht verändern. Das Schadensphänomen selbst ist bei der Lagerung im Depot stabil. Finden sich Selbstklebebänder, wie Malerkrepp oder Tesa-Film auf den Objekten, wird deren Alterung/Abbauprozess auch bei der Lagerung im Depot fortschreiten und perspektivisch zu Schäden führen. Hier besteht frühzeitiger Handlungsbedarf.
Im Museum kann eine Priorisierung von Konservierungs-/Restaurierungsmaßnahmen jedoch auch mit der Präsentationshäufigkeit von Werken einhergehen. Ergo das, was häufig gezeigt wird, wird auch meist vorrangig konservatorisch bearbeitet. Dass sich dies nicht immer mit konservatorisch-restauratorischen Prioritäten gemäß der o.g. Schadensbewertung vereinbaren lässt, kann durchaus vorkommen.
Doch wie verhält es sich, wenn man einen Gesamtüberblick über den Zustand der hauseigenen Fotosammlung erlangen möchte? Hier sind Surveys durchaus üblich, die stichprobenartig den Zustand einzelner Objekte erfassen und somit Rückschlüsse auf den Gesamtbestand zulassen. Gerade bei homogenen Beständen, wie zum Beispiel fotografischen Negativen oder Abzügen in Archiven kann dies sinnvoll sein. Häufig geht es bei derartigen Surveys auch darum, Kosten für die Konservierung zu beziffern. Gerade Häuser, die auf Drittmittel für die Erhaltung angewiesen sind, müssen den Finanzbedarf allein schon zum Einwerben der Mittel präzise beziffern können. Hierfür muss es in der entsprechenden Institution jedoch konservatorisches Know-How geben oder alternativ externe Spezialist*innen zugezogen werden können. Ein Nachteil solcher Surveys ist, dass sie sehr zeitaufwendig sind. Hier gilt es gut abzuwägen, ob in der gleichen Arbeitszeit bereits umgesetzte Konservierungsmaßnahmen nicht sinnvoller investiert sein können.
Konservierungsstrategien für Fotosammlungen hängen von vielen Faktoren ab, von denen in diesem Beitrag nur wenige benannt werden können. Eines ist jedoch allgemeingültig: die Konservierungsstrategie muss auf die entsprechende Sammlung passgenau zugeschnitten werden und nicht alles passt wiederum zu jeder Sammlung. Gut ausgebildetes Fachpersonal ist unabdingbar, um dies umsetzen zu können.
Kristina Blaschke-Walther
…ist Fotorestauratorin und Leitung Restaurierung am Sprengel Museum Hannover.
BU: Glasplattennegativ mit Schichtablösung in Folge eines Wasserschadens, 18 x 24 cm, Studiensammlung Sprengel Museum Hannover © K.Blaschke-Walther