Fotografische Arbeiten entstehen häufig in einer Edition und auch ein Rahmen kann Teil des Werkes sein. Sollte es zu Lebzeiten einer Künstlerin oder eines Künstlers nicht mehr möglich sein, über ihr Werk zu sprechen, ist es sinnvoll, sich mit Nachlässen, Künstler*innenarchiven oder Sammlungen auszutauschen, um die Entwicklung des Werkes nachzuvollziehen. Doch worauf ist bei einer künstlerischen Rahmung eigentlich zu achten?
Die Fotoserie „Waffenruhe“ von Michael Schmidt ist einmal als 47-teilige Serie in der Sammlung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover sowie nochmals als kleinere 9-teilige Serie in der städtischen Kunstsammlung im Sprengel Museum vorhanden. Um sich über die Werkreihe auszutauschen, wurde das Archiv Michael Schmidt am Museum Folkwang in Essen kontaktiert. Neben Schmidts Fotografien besitzt das Archiv unter anderem auch Korrespondenz und Schriftgut des 2014 verstorbenen Künstlers. Es wurde ein Gespräch mit der Fotorestauratorin Theresa Fritzen und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Matthias Gründig vom Archiv Michael Schmidt geführt. In der Unterhaltung wurden insbesondere Ankaufsdokumente, Wissen zur Werksgeschichte sowie frühere Rahmenentwürfe thematisiert.
Die Fotografien entstanden ursprünglich im Rahmen der 750-Jahr-Feier Berlins, woraus sich 1987 die Werkserie „Waffenruhe“ in Buch und Ausstellung entwickelte. Für die Werkserie musste Schmidt zunächst einen Rahmenhersteller finden, der die gewünschte Ästhetik umsetzen konnte. Die Herstellung der grob wirkenden Eisenrahmen mit sichtbaren Schweißnähten und Schrauben markiert laut Matthias Gründig den Beginn der Bedeutung einer einzigartigen Künstlerrahmung für Schmidt. Fotografie und Rahmung sind als Einheit zu betrachten und dürfen auch aus konservatorischen Gründen nicht in ihrer Gesamterscheinung verändert werden.
Die Unterschiede der Rahmungen und ihre zeitliche Weiterentwicklung wurden im gemeinsamen Austausch deutlich. Auch die beiden Werkreihen im Sprengel Museum Hannover unterscheiden sich sichtlich, nicht nur in ihrer Anzahl. Die früher angekaufte kleinere Auflage ist minimal größer, ihre Rückwand besteht aus einer gröberen Spanplatte und die sichtbaren Schrauben sind nicht einheitlich. Für den fünf Jahre späteren Ankauf der gesamten 47-teiligen Serie wurde die Rahmung perfektioniert. Um die Rückwand zu verdecken, wurde beispielsweise hinter jede Fotografie ein Papier mit handbemaltem schwarzem Rand eingelegt.
Die Erkenntnis über die Entwicklungsphasen der Künstlerrahmung ist für beide Institutionen essenziell. Auf diese Weise lässt sich der konservatorische Aufwand der verschiedenen Editionen am besten abschätzen und die Werkserie „Waffenruhe“ kann im Sinne des bereits verstorbenen Künstlers erhalten werden.
Miriam Chair
… ist Restauratorin für Neue Medien und aktuell am Sprengel Museum Hannover im Volontariat der Fotorestaurierung, finanziert durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung, tätig.
BU: Rück- und Vorderansicht einer Fotografie aus der Serie „Waffenruhe“ von Michael Schmidt, 1985–1987, Sammlung Niedersächsische Sparkassenstiftung im Sprengel Museum Hannover (Foto: Miriam Chair)