Foto-Theorie NEU gelesen: Ende oder Krise der Theorie?

Die Frage ist bewusst provokativ gestellt – wenngleich sie das jahrzehntelange, letztlich unergiebige Gerede von einem „Ende“ zitiert. Die alternative Frage nach einer „Krise“ einer zeitgemäßen Theorie der künstlerischen Fotografie sei aber schon erlaubt. Oder handelt es sich dabei lediglich um eine Verwechselung von Theorie und Praxis?

Wie dem auch sei: Wir haben in unserem Blog die Auseinandersetzung mit Formen neuerer Reflexionen mittlerweile mehr als ein Jahr lang verfolgt und dabei Beiträge folgender Theoretiker*innen vorgestellt:

David Campany

Wolfgang Kemp

Bernd Stiegler

Abigail Solomon-Godeau

Steffen Siegel

Kathrin Schönegg

Martina Dobbe

Jens Schröter

Katharina Sykora

Peter Geimer

Hito Steyerl

und ein Roundtable über die Zukunft der Fotografie

Ich beende meinerseits nun diese Reihe von ersten Einstiegen in die zeitgenössische Reflexion künstlerischer Fotografie. Es haben sich mir jedoch keine weiteren Theoretiker*innen mit grundlegenden Beiträgen in den vergangenen zwanzig Jahren aufgedrängt – eine Aussage, nach der hoffentlich von manchen Seiten sofort der Hinweis auf übersehene Desiderate ertönen wird. Was und wen habe ich also vergessen?

Die ist also die explizite Bitte der Redaktion dieses Blogs um ergänzende Beiträge unserer Leserschaft. Wir freuen uns wirklich über produktive Vorschläge, anders formuliert: über eine Mitwirkung am Blog, solange die Beiträge im inhaltlichen Rahmen (also: mit Rücksicht auf die betont künstlerische Dimension des Fotografischen) bleiben.

Aus meiner persönlichen Sicht stellt sich z.B. noch die Frage, ob die stets verspätete Theorie mittlerweile die Krise der künstlerischen Fotografie bzw. des Kunstmarktes adaptiert hat? Ist Theorie momentan nicht attraktiv genug, weil eben dies Fotografie auf dem Kunstmarkt vormacht? Handelt es sich vielleicht „nur“ um eine Krise der Theorie oder sogar um deren Ende? Da mir Endzeit-Stimmungen schon immer suspekt waren, schwebt mir als „Ausweg“ die Möglichkeit einer (revidierten) Historiografie der künstlerischen Fotografie vor Augen. Gibt es eine solche überhaupt schon für das 21. Jahrhundert, dessen drittes Jahrzehnt ja mittlerweile auch schon zur Neige geht? Und wie könnte man diese Gegenwart der Fotografie angemessen beschreiben? Warum nicht einmal in der Form eines Dialoges zwischen wissenschaftlich-akademischer und kuratorischer Haltung?

Stefan Gronert

…ist Kurator für Fotografie am Sprengel Museum Hannover

BU: Cover der Supertramp-LP „Crisis? What Crisis“, 1975

 

2 Kommentare zu Foto-Theorie NEU gelesen: Ende oder Krise der Theorie?

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