Ein Vierteljahrhundert Theorie und Kunst: Rückblick auf eine EIKON-Sonderpublikation

Dieses Buch ist schon nicht mehr ganz neu, aber immerhin eine der innovativsten Publikationen der vergangenen Jahre zum thematischen Horizont dieses Blogs. Der Anlass war das 25-jährige Jubiläum der 1991 gegründeten Zeitschrift für Fotografie und Medienkunst “EIKON”, die seitdem regelmäßig in Wien erscheint und sich vor allem mit jüngeren künstlerischen Positionen beschäftigt.

Die Anzahl der Jahre hat man dividiert und ist so mathematisch korrekt auf fünf thematische Einheiten gekommen, in denen Fototheoretiker ihre Gedanken jeweils mit fünf künstlerischen Positionen in Verbindung gebracht haben. Gemäß dem Anspruch der Zeitschrift erstreckte sich die Auswahl der Paten auf einen internationalen Sektor, so dass man sich auf David Bate (UK), Linde B. Lehtinen (USA), Steffen Siegel (D), Abigail Solomon-Godeau (FR/USA) und Urs Stahel (CH) einigte. In kurzen, durchweg wirklich gut lesbaren Essays behandeln diese so disparate wie attraktiv klingende Themen wie „Grenzen, Territorien und Peripherien“, „Gegenbilder“, „Die Aktivierung der Archive“, Bilder – Forschung und Transfer“ sowie „Über das Wohnen“.

Herausgekommen sind kleine Ausstellungen in Buchform, da sich die allgemeine Erörterung des Themas stets der beispielhaften Diskussion der jeweiligen künstlerischen Positionen verschreibt. Ob die Kombination Thema-Künstler Resultat einer kuratorischen Auswahl oder redaktionelle Vorgabe war, bleibt offen. Aber egal: Das Resultat ist kurzweilig und reizvoll, provoziert aber nicht selten auch das Verlangen nach inhaltlicher Vertiefung, was hier zweifellos gar nicht angestrebt war. Insofern wirken diese „Photo Tracks“ wie illustre Appetithappen, die künstlerisch nicht nur mit prominenten Namen befriedigt werden (wie etwa Hans-Peter Feldmann, Louise Lawler, Andreas Müller-Pohle oder Thomas Ruff), sondern auch international eher weniger bekannten Positionen (z.B. Nilbar Güres, Borjana Ventzislavova) Raum geben.

Natürlich wäre auch immer alles andere möglich gewesen – sowohl bei der Auswahl der Themen als auch bei derjenigen der Künstler –, aber wenn man ehrlich ist, muss man sich über ein derart griffiges Kompendium zu einigen wichtigen Themen der zeitgenössischen Fotografie freuen und darf sich wünschen, dass eine derartige Sammlung von Broschüren in einer eleganten Box nicht wieder ein Vierteljahrhundert auf sich warten lässt.

Kleine Pointe zum Schluss: Alle reden immer wieder von diesem ominösen “Crowdfunding”, aber an der Kultur bzw. der bildenden Kunst geht so etwas oft vorbei. Gerade dieses Buch ist aber aus einem solchen Projekt entstanden, wie diese Homepage offenbart: https://wemakeit.com/projects/5-x-5-photo-tracks  Das sollte Modellcharakter haben!

5 x 5. Photo Tracks, hrsg. von Carl Aigner und Nela Eggenberger, Wien: Österreichisches Institut für Photographie und Medienkunst – EIKON 2016